Förderverein hörbehinderter Kinder e.V. Minden -Hörkind-
Förderverein hörbehinderter Kinder e.V. Minden -Hörkind-

Berichte von unseren Hör-Kindern (2)

Eine kurze Biografie eines schwerhörigen Jungen, die Mut machen soll

 

Unser Sohn wurde 1997, 10 Tage verspätet, mit Hilfe einer Saugglocke auf die Welt geholt.

Er wog 2700 g und war ein kleines und zierliches Kind. Durch fleißiges Stillen und großen Hunger entwickelte er sich schnell ganz toll und alle anstehenden Untersuchungen beim Kinderarzt verliefen zu aller Zufriedenheit. Auch die obligatorischen Hörtests waren in Ordnung. Seine Sprachentwicklung lief ebenfalls in normalem zeitlichen Rahmen, ein paar "Kleinigkeiten" wurden logopädisch behandelt. Die Logopädin vermutete damals 2002, dass vielleicht das Gehör nicht ganz okay sei. Wir als Eltern wurden hellhörig, bisher war uns aber nichts Besonderes aufgefallen, denn als einziges Kind in der Familie erhielt er immer Zuwendung und direkte Ansprache, so dass wir zwar manche Dinge mehrmals sagen mussten, er dann aber immer reagierte.

Als wir dann die Vermutung der Logopädin unserer der Kinderärztin und der Erzieherin im Kindergarten mitteilten, mit der Bitte, etwas genauer zu beobachten, wurde klar, dass das Kind ein "Hörproblem" hat. Sämtliche HNO Ärzte, die wir dann auf Empfehlungen aufsuchten, meinten, alles sei im grünen Bereich. Durch häufige Paukenergüsse rechts und links (meistens im Winter nach Erkältungen) könne sich das Gehör schon mal verschlechtern, so der Wortlaut der HNO Ärzte. Damit wollten wir uns als Eltern aber nicht mehr zufrieden geben, denn wir merkten zunehmend, dass unser Sohn  auf Zuruf außer Sichtweite oder bei abgewandtem Gesicht nicht oder sehr verzögert auf Sprache reagierte. Ebenfalls auffällig war, dass unser stets gut gelauntes Kind oft zunehmend ungeduldig oder leicht aggressiv reagierte, wenn es um sprachliche Anweisungen ging, die es nicht umsetzen konnte. Danach wurden ihm mehrmals Paukenröhrchen gelegt, jedes Mal mit Narkose, aber auch danach wurden die Hörtests nicht besser, waren aber auch noch nicht im absolut schlechten Bereich. Trotz unseres Drängens auf eine andere Untersuchungsmethode wurden wir immer wieder beruhigt, dass sich alles wieder normalisieren würde, wenn die Ohren frei von Flüssigkeit sind. Nachdem wir uns als Eltern schlau gemacht hatten, verlangten wir bei einem Pädaudiologen eine gründlichere Untersuchung der Ohren und des Hörvermögens. Dort wurde dann endlich auf unsere Veranlassung eine BERA gemacht- unter Narkose wird das Hörvermögen direkt vermessen-. Unsere Befürchtung bestätigte sich- unser Sohn ist mittelgradig bis hochgradig schwerhörig. Trotz der befürchteten Erwartung waren wir natürlich total geschockt und fühlten uns mit unserem Rezept für Hörgeräte doch ziemlich alleingelassen. Seit Vermutung der Logopädin und dem jetzt endgültigen Befund waren 7 Monate wertvoller Zeit verstrichen, bis zur Einschulung blieben nur noch ca 8 Monate Zeit.
Durch Internetrecherchen etc. kamen wir dann auf die MHH Hannover- dort wurden wir dann erstmals richtig beraten, man machte noch verschiedene Tests, aber das Ergebnis blieb- wir haben ein schwerhöriges Kind. Die Ursachen dafür sind unklar.   Es begann eine anstrengende Zeit voller Termine: Ärzte, Akustiker, Logopäde , Ergotherapie etc. Außerdem stand die Einschulung in die Regelschule kurz bevor und wir machten uns doch ziemlich große Sorgen, ob unser Sohn das alles so schaffen würde.

Nachdem das Kind dann nach weiteren Monaten der Testphase dann endlich "seine" Hörgeräte hatte, veränderte sich sein Verhalten massgeblich zum Positiven.  
Nun versuchten wir als Eltern das Kind noch mehr zu fördern, zu motivieren, und seine glücklicherweise immer fröhliche und unkomplizierte Art für die Vorbereitung auf die Schule zu nutzen Inzwischen hatten wir im Früherkennungszentrum in Minden bei Dr. K. einen Termin. Dr. K. machte durch Untersuchungen die Defizite deutlich, die auf die späte Erkennung der Hörschädigung zurückzuführen waren und sah Förderung als erste Priorität. Leider war uns wertvolle Frühförderzeit im Kindergarten verlorengegangen, aber jetzt hieß es: Mutig weitermachen und das Beste für unser Kind erreichen.  
Auch durchs Internet kamen wir dann auf den Elternverein Hörbehinderter Kinder e. V. in Minden und zum Förderinstitut INTEGRARE.  
Im August 2004 wurde unser Sohn dann in die Grundschule eingeschult. Durch die Förderschule für Kommunikation in Bielefeld erhielten wir dann eine 2-stündige Förderung bewilligt.

Die Kollegin der Förderschule besuchte das Kind in der Schule oder zu Hause 1x wöchentlich und arbeitete Schulinhalte auf. Als Mutter war ich bis dahin ebenfalls berufstätig, habe mich aber in dieser wichtigen Zeit für Sohn und Familie für 4 Jahre beurlauben lassen, damit ich die Schulentwicklung nachhaltig verfolgen und begleiten konnte. Eine besondere Förderung wurde uns dann durch INTEGRARE zuteil- ein Institut, das sich besonders auf die Integration hörbehinderter Kinder in Regelschulen spezialisiert hat.

Herr B. von INTEGRARE besuchte unseren Sohn, die beiden konnten gut miteinander arbeiten und den Jungen über die vergangenen 5 Schuljahre begleiten.  
In der Grundschule hatte er eine sehr aufmerksame Lehrerin, die die Klasse hervorragend führte, im Hinblick auf Gesprächsdisziplin und dem Umgang mit unserem Sohn, als hörbehindertes Kind.

Er war voll in die Klassengemeinschaft integriert und hatte Freunde und niemals eine Diskriminierung hinnehmen müssen. An der neuen Schule, die natürlich viel größer ist, als die übersichtliche Grundschule,

hat er bisher ebenfalls Kolleginnen und Kollegen bekommen, die sein Problem angenommen haben und ihm die nötige "Aufmerksamkeit" schenken, zum Beispiel im Hinblick auf Platzwahl im Raum, auf die Verstärkeranlage und die Gruppengespräche innerhalb der Klasse. Auch die schulischen Leistungen verbesserten sich seit der 1. Klasse stetig und wir haben inzwischen das Gefühl, dass sich die Defizite verringert haben. Inzwischen sind 5 Jahre Schulzeit vergangen, nach wie vor gibt es natürlich Ohrprobleme, regelmäßige Termine bei Ohrenärzten, Schwierigkeiten bei längeren Konzentrationsphasen, ein ständiges Nacharbeiten von Unterrichtsinhalten zu Hause und weiterhin Förderung in geschildertem Maß.  
Dennoch- unser Sohn ist ein fröhliches, lebhaftes, an tausend Dingen interessiertes Kind, das es zunehmend schafft, seine Dinge selbst zu regeln, sehr offensiv mit seinem Hörproblem umgeht, kein Blatt vor den Mund nimmt und mit seinen Lehrerinnen und Lehrern ein gutes Verhältnis hat .
Wir sind sehr dankbar, dass sich bisher alles gut gefügt hat und wünschen allen, die ähnliche Sorgen und Nöte haben, dass sie, wie wir, Menschen finden, die zuhören und weiterhelfen können.

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